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Typempfehlungen 911

 
Bevor sich Kaufabsichten konkretisieren, sollten vorab diverse Grundsatzfragen geklärt sein: 
Ein Fahrzeug mit ausgeprägtem Charakter und zudem noch mit hohem Sammlerwert oder ein 911 für alle Tage, mit möglichst wenig Problemen und überschaubaren Unterhaltskosten?

Luftgekühlt, klassisches Interieur, VW-Käfer-Reminiszenzen oder wassergekühlt (ab Baureihe 996) und im "modernen" Design? Für Letztere sei der Artikel "Lenor-Porsche" vorab empfohlen. Eine kurze Übersicht der Baureihen gibts hier.

Die Gruppe von historischen 911-Freaks wird sich eher für Fahrzeuge bis Baujahr 1973 interessieren. Diese aber inzwischen über 35 Jahre alten Fahrzeuge, mit herkömmlichem Blech gebaut und meist ab Werk nicht hohlraumversiegelt, haben teilweise massive Rostprobleme! Besonders das Targa-Modell im Übergangsbereich zwischen Targabügel und hinteren Kotflügel ist durch Feuchtigkeit meist sehr in Mitleidenschaft gezogen. Ein originales Fahrzeug ganz ohne Rostbefall wird sich kaum finden lassen. Vollkommen originale Elfer mit leichtem, noch nicht überspachteltem Rostbefall lassen sich noch finden und sind eine geeignete Restaurierungsbasis. Allerdings, allein eine fachmännische Instandsetzung des Blechkleids verschlingt mindestens 10.000 Euro. Motoren, je nach Ausführung, schlagen mit mind. 7.500 Euro zu Buche. Ein komplett neuer ATM von Porsche liegt bei bis zu 26.000 Euro! So ist es durchaus legitim, für einen toprestaurierten 911 bis Baujahr 1973 mind. 25.000 Euro zu verlangen.

Sehr reizvoll für Sammler ist das Modell 911 S mit dem drehfreudigen 160-PS-Triebwerk. Ein 911 S des Modelljahrs 1969 ist wahrscheinlich das berühmte i-Tüpfelchen der frühen Elfer-Jahre. Interessant sind auch die 2,2 Liter-S-Versionen und dann vor allem der 2,4 S mit 190 PS. Dieser Wagen bietet erstaunliche Fahrleistungen bei akzeptablem Fahrwerk.

Wer am Restaurieren kein Interesse hat und trotzdem einen Klassiker nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßig fahren will, sollte sich nach einem Wagen ab Modelljahr 1976 (also ab Produktion August 1975) umschauen, da Porsche ab diesem Jahr feuerverzinkte Bleche verbaute (dennoch kann auch hier Rost auftreten, beispw. durch unsachgerechte Reparaturen). Auch technisch sind diese Fahrzeuge wesentlich unkomplizierter. So begnügt sich ein 911 SC ab Modelljahr 1978 mit knapp über zehn Litern Normalbenzin auf 100 Kilometer. Gerade diese Dreiliter-Motoren mit ihren eher bescheidenen 180 PS sind bekannt für ihre Zuverlässigkeit, auch bei hoher Kilometerleistung. Gleiches gilt für die soliden 3,2 Liter Carrera. Dieses Modell bietet einen sehr guten Gegenwert, zumal es erstmals über einen unproblematischen Steuerketten-Mechanismus verfügt. Ideal sind Fahrzeuge ab Modelljahr 1987 mit dem modernen G 50-Getriebe. Für gute Fahrzeuge sind Preise ab 20.000 Euro realistisch.

Puristische Frischluftfans kamen seit dem Modelljahr 1983 auf ihre Kosten, als Porsche ein echtes Cabriolet anbot. Der ursprünglich mit drei Litern Hubraum und manuellem Verdeck ausgelieferte Wagen hat absolut den Liebhaberstatus erreicht.

Dem sehr sportlich orientierten Fahrer sind die alten RS-Modelle (911 RS, 964 RS und 993 RS) bestens zu empfehlen. Allerdings kostet ein gutes Exemplar des 1973er RS ab ca. 40.000 Euro. Ein gepflegter und nicht total verheizter 964 RS (Modelljahr 1992) ist ebenfalls nicht unter 45.000 Euro zu haben. Und ohne Unfall gibts die kaum. So sehr ein RS fasziniert, der Bereich bis der Wagen verloren geht, ist sehr hoch, aber es gibt eigentlich so gut wie keinen Grenzbereich. Und es sind klare Zugeständnisse an die Alltagstauglichkeit zu machen. Der 993 RS ist etwas komoder, beim 911 RS und 964 RS ist Wappen oder Zahl beim überfahren einer Münze aber deutlich spürbar.

Generell ist die Baureihe 964 die letzte Version in der klassischen Form mit den sog. Torpedorohren. Wer viel Wert auf Goodies wie ABS, Servolenkung und ggf. Allradantrieb legt, ist mit dieser Variante sehr gut bedient. Allerdings ist dieses Modell im Unterhalt recht teuer und manche Fahrzeuge echte Montagsautos. Preise ab ca. 20.000 Euro.

Einen besonderen Reiz bieten auch die Turbo-Modelle. Gerade der sog. "Coke-Bottle-Look" mit den markanten Radhausausbuchtungen und dem fetten Heckspoiler hat heute eine besondere Faszination. Empfehlenswert ist hier das Modell 964 mit dem 3,6 l Motor und 360 PS. Klassische Form mit überlegener Power. Wer einen Turbo fahren möchte, sollte dabei aber nicht ans Sparen denken.

Der letzte luftgekühlte Boxer wurde im 993 verbaut. Eine sehr schöne Synthese aus Porsche-Vergangenheit und Neuzeit! Vielfach als der schönste Elfer bezeichnet. Vernünftige Exemplare ab 30.000 Euro.

In letzter Zeit kommen verstärkt 993 US Re-Importe auf den deutschen Markt. Diese sind meist an schwarzen Bumpern an den Stoßstangen, fehlenden Seitenblinkern, auffallend  geringer Laufleistung und besonders günstigen Preisen erkennbar. Die Änderungen zu einer deutschen 993-Auslieferung sind hier kurz beschrieben. Da kann sicher mal ein Schnäppchen dabei sein. Kann, denn Fahrzeughalter, Laufleistung und Wartungen sind nur bedingt beleg- und nachprüfbar, trotz Carfax.

Wenn man die Preisbewegungen der letzten Jahre beobachtet, ist generell ein interessanter Trend zu erkennen. Die 911-Generationen bis zum 993 rücken preislich immer näher zusammen und werden zunehmend nicht mehr nach Baujahr, sondern nach Zustand bezahlt.

Generell bleiben die Gebrauchtwagenpreise für klassische Elfer (bis einschl. Modell 993) relativ stabil. Sondermodelle wie RS oder Turbo S sind eine weitere Klasse für sich.

Man sollte sich weiterhin überlegen, wenn die gewünschte Baureihe definiert wurde, was einem wirklich wichtig ist. Die Farbe, der optische Zustand, Innenraumgestaltung, wenige Halter (sagt nichts über die wirklich Anzahl der Fahrer aus), unter 100 Tkm usw.? Eine Hilfe dazu kann die Checkliste sein.

Bremsen, Kupplung und ähnliche Verschleißteile lassen sich in Originalqualität erneuern. Ein sternrubin außen mit mintgrün im Innenraum ist hingegen nur extrem kostspielig zu ändern. Ein Fahrzeug mit "nur" 60 Tkm, diese Km aber auf Kurzstrecke im Stadtverkehr einer Großstadt erfahren, ist nicht zwingend dem 130 Tkm-Fahrzeug mit nachweislichem Langstreckenverkehr vorzuziehen. Vier Halter in 10 Jahren sind nicht überaus negativ, ein nachweisbar gut reparierter Blechschaden kein Beinbruch.

Tiptronic (Automatik) oder Allrad oder lieber nicht, sind weitere Fragestellungen potenzieller Käufer. Die Tiptronic ist nicht so schlecht, wie oft dargestellt. Das hat mit einer Mercedes-Benz-Automatik nichts zu tun. Die Fahrleistungen an sich sind aber im direkten Vergleich deutlich schlechter. Allrad (immer an der 4 in der Modellbezeichnung zu erkennen, also beisp. 4S) fährt sich anders: "Wie auf Schienen". Das ist nicht schlechter, aber anders.  Und etwas wartungsintensiver. Für winterliche Einstätze im Gebirge oder anderweitige klassische Allradterrarien ist die Porsche-Ausführung allerdings nicht priorisiert. Im Grunde soll diese Lösung die Kraft besser und sicherer auf die Straße bringen.

Suchtechnisch kann man auch die "Perle" suchen, dauert aber länger, kostet richtig und u.U. gehen einem gute Fahrzeuge wegen Kleinigkeiten (beispw. abgewetzter Sitz) und Zögerei "durch die Lappen". Die Fahrzeuge sind eben keine Neufahrzeuge mehr. Wichtig ist m.E. eine gute Substanz, Motor + Getriebe in Ordnung, glaubhafte Wartungen (im Idealfall exakt nachvollziehbar), seriöser Verkäufer. Geringe Schönheitsfehler in Lack und Leder lassen sich meist in Eigenarbeit oder als Smart-Repair für kleines Geld beseitigen.

Und bitte, wer den Markt länger beobachtet, wundert sich über das ständig gleichbleibende Angebot an Fahrzeugen zwischen 80-150 Tkm. Offensichtlich bleibt da bei manchem Fahrzeug der Kilometerzähler auf wundersame Weise stehen. Im Zweifelsfall durchaus mal einen Vorbesitzer kontaktieren (lt. Wartungsheft oder TÜV-Bericht). Brachte schon so manche Überraschung....

Des Weiteren gilt, bei Fahrzeugen die 10 oder gar 20 Jahre alt sind, sollte eine gewisses Budget in Reserve bleiben. Selbst bei noch so großer Vorsicht kann Unvorhergesehenes auftreten. Mal eben 5.000 Euro sind für fachgerechte Reparaturen oder Verschleißteile bei einem Porsche schnell weg. Insofern ist eine Reserve von 5.000 bis 10.000 Euro nicht verkehrt.

Eine Anfrage an die Versicherung über deren Preisgestaltung kann insbesondere bei Vollkasko zu interessanten Ergebnissen führen. Eine kurze Info dazu gibts hier.

Preisbeispiele für Wartung und Ersatzteile auf Basis der Modellreihe 993 finden Sie hier.

Einen Fahrleistungsvergleich der Saugmotoren 911 3,2 , 964 + 993 hier.

Einen Vergleich technischer Kurzdaten der 993-Modelle hier.

Eine Kurzbeschreibung der 993-Modellhistorie hier.

Ein kleines Lexikon verschiedener Porsche-Begriffe hier.

Fahrzeugsuche über die Porsche-Zentren, klassische Autobörsen, Autozeitschriften und spezialisierte Händler, ggf. auch in einschlägigen Internetforen. Nützliche Links dazu gibts hier.




Da die Suche nach einem "guten" Fahrzeug oft mit umfangreichen und zeitintensiven Besichtigungsfahrten verbunden ist, kann ich im Einzelfall (Umkreis Köln + ca. 100 Km) gegen Unkostenerstattung auch ein Fahrzeug Ihrer Auswahl für einen ersten Eindruck ansehen. Bei Interesse bitte Anfrage per Mail.






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